Great Transformation

DGS-Sektionen

Sektionsveranstaltungen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
Great Transformation
Foto: Sarah Cords

Die Veranstaltungen der Sektionen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie finden Mittwoch (25.09.) und Donnerstag (26.09.) zwischen 10:30 und 13:00 Uhr sowie zwischen 15:00 und 17:30 Uhr statt. Die inhaltliche und formale Konzeption sowie die Auswahl der Vorträge erfolgt eigenständig durch die Organisator_innen der Sektionsveranstaltungen.

Mittwoch, 25. September 2019

Sektion Arbeits- und Industriesoziologie: (Wessen) Utopien oder Dystopien der Arbeit? Akteure, Interessen und Effekte von Zukunftsdiskursen auf die Gestaltung von Arbeit heute Inhalt einblenden
Sektion Arbeits- und Industriesoziologie

Organisator_innen: Martin Krzywdzinski (Berlin), Sabine Pfeiffer (Nürnberg), Mascha Will-Zocholl (Wiesbaden)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Raum: SR 316

Selten hat unsere Gesellschaft so stark und lebendig über den technischen Wandel von Arbeit diskutiert wie aktuell. Im Vergleich zu den 1980er Jahren haben sich die Reichweite, die Taktung sowie die Einflussnahme interessengeleiteter Akteure verschärft. Im Diskurs dominiert der prognostische Blick auf das Morgen, das Hier und Heute droht als aktueller Raum der Gestaltung und Umsetzung zu verschwinden. Es kursieren Narrative über angebliche Gewinner und scheinbar längst ausgemachte Verlierer. Der Mensch wird fokussiert, zugleich werden seine Fähigkeiten als technisch ersetzbar und durch Künstliche Intelligenz überbietbar abgewertet. Beharrlich wird die Gestaltbarkeit betont, aber gleichzeitig kritische und skeptische Stimmen als ängstliche Bedenkenträger marginalisiert. Zwei Zugänge zum Thema stehen im Fokus:

  • Der Diskurs und seine Muster: Welche Akteure bestimmen den Diskurs maßgeblich und wie prägen sie seine Dynamik? Welche Interessen verfolgen welche Akteure? Welche erwartbaren und nicht erwartbaren Interessengegensätze bzw. -übereinstimmungen lassen sich finden? Welche Wechselwirkungen zeigen sich zwischen globalen und lokalen Akteuren, Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie Sozialpartnern und Unternehmen?
  • Wirkungen und Effekte des Diskurses auf den betrieblichen Alltag: Welche Elemente und Muster des Diskurses finden in Organisationen ihren Widerhall, welche nicht? Entstehen dabei eigenständige Narrative zur Zukunft der Arbeit? Wie tragen Akteursgruppen den Diskurs in den aktuellen betrieblichen Gestaltungsprozess? Schließlich (wie) kann dieser sich in eigenwillige Richtungen entwickeln?

Ziel ist es, sowohl empirische als auch theoretische und methodische Beiträge zum Diskurs der Zukünfte von Arbeit und deren Wirkung in den Arbeitswelten der Gegenwart miteinander ins Gespräch zu bringen.

Beiträge:
  • Hajo Holst (Osnabrück), Hendrik Brunsen (Osnabrück), Yannick Kalff (Osnabrück), Nadine Kleine (Osnabrück), Steffen Niehoff (Osnabrück), Robert Sinopoli (Osnabrück): Fragmentierte Zukunft – Wie Automobilarbeiter_innen die Fabrik der Zukunft und die Zukunft der eigenen Arbeit sehen
  • Martin Kuhlmann (Göttingen), Stefan Rüb (Göttingen): Wirkmächtige Diskurse in betrieblichen Auseinandersetzungen um die Digitalisierung der Arbeit
  • Carolin Mauritz (Frankfurt am Main): „Stütze des aktivierenden Sozialstaats“ oder „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“? Dystopische und utopische Diskurse um Freiwilligenarbeit
  • Johannes Katzan (Frankfurt am Main), Moritz Niehaus (Frankfurt am Main): Ein bisschen mehr Maschinenstürmerei wagen? Digitalisierung im betrieblichen und gewerkschaftlichen Diskurs
  • Hartmut Hirsch-Kreinsen (Dortmund): Digitalisierung als „Promising Technology“ – Zur Genese des Diskurses über Digitalisierung und Arbeit

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 340KB]

Sektion Biographieforschung: Othering im Forschungsprozess – Post- und Dekoloniale Perspektiven der Migrationsforschung Inhalt einblenden
Sektion Biographieforschung

Organisator_innen: Tina Spies (Darmstadt), Elisabeth Tuider (Kassel), Hella von Unger (München), Irini Siouti (Frankfurt am Main)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Ort: Großer Rosensaal, Fürstengraben 27, 07743 Jena

In der Veranstaltung der Sektion Biographieforschung steht die Frage im Mittelpunkt, wie die Erforschung von Migration und Flucht mit hegemonialen Praktiken des Otherings verwoben ist. Kritische, post- und dekoloniale Perspektiven machen seit geraumer Zeit darauf aufmerksam, dass stigmatisierende Konstruktionen von anderen (und damit verbundene Konstruktionen eines „Selbst“ / „Wir“) nicht nur Gegenstand sozialwissenschaftlicher Analysen sind, sondern auch in Forschungsprozessen reproduziert werden. Die Sektionsveranstaltung fragt daher (selbst-) kritisch nach „Othering im Forschungsprozess“ und bezieht sich dabei insbesondere auf post- und dekoloniale Perspektiven. Es geht um das Infragestellen von methodologischen Vorannahmen wie dem „methodologischen Nationalismus“, der nationalstaatliche Grenzen, Kategorien und Territorien als natürliche Untersuchungseinheiten unreflektiert übernimmt, aber auch von weiteren Verwicklungen in gesellschaftliche Machtpraxen und deren Einfluss auf die Forschungspraxis. Diskutiert werden sollen darüber hinaus die Positionierungen der Forschenden (z. B. als activists, als Wissenschaftler_innen), die Gestaltung von Forschungsbeziehungen und – ganz generell – die Bedeutung von Forschung für Gesellschaften der Zukunft.

Beiträge:
  • Erol Yildiz (Innsbruck, AT): Methodologische Implikationen einer postmigrantischen Lesart
  • Hella von Unger (München): „Othering“ und „benevolent othering“ – theoretische Konzepte und empirische Praxis
  • Tina Spies (Darmstadt): Kontextualisierung und Reflexivität im Forschungsprozess
  • Irini Siouti (Frankfurt am Main): Othering in der qualitativen Migrationsforschung: Herausforderungen und Reflexionen in der Forschungspraxis
  • Olaf Tietje (Kassel), Elisabeth Tuider (Kassel): Mapping Situations: Abwesenheit und Othering
  • Dimitra Kostimpas (München): Verandernde Kategorisierungen im Feld – Erkenntnispotentiale von Reflexivität

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 399KB]

Sektion Europasoziologie: Wachstumsmotor Europa – Utopie, Segen oder Fluch? Inhalt einblenden
Sektion Europasoziologie

Organisator_innen: Stefanie Börner (Magdeburg), Sebastian Büttner (Erlangen)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Raum: SR 314

Der Prozess der europäischen Integration hat die wirtschaftliche Entwicklung Europas und die Transformation der europäischen Gesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten ganz entscheidend mitgeprägt. Die Schaffung der Europäischen Union (EU) hat nicht nur neue Regierungsformen und eine neue transnationale soziale Ordnung hervorgebracht, sondern auch neue Interessenkonflikte, soziale Ungleichheiten und Verteilungskämpfe. Die unzähligen Narrationen über Europa und die EU spiegeln diese Vielfalt, Brüche und Krisen wider. Während die einen Europa als Sonderform der Globalisierung und als einen begrüßenswerten Wachstums- und Entwicklungsmotor betrachten, stellt die EU mit ihren liberalen Skripten für andere eher einen souveränitäts-, identitäts- und wirtschaftspolitischen Brandbeschleuniger dar. Auch die jüngsten politischen Verwerfungen im Inneren und an den Außengrenzen der EU verdeutlichen die Widersprüche und Spannung, die der Prozess der europäischen Integration hervorbringt. Vor diesem Hintergrund stellt das Panel die Frage, in welche Richtung diese Entwicklungen weisen und inwieweit die EU in der Lage ist, die großen Transformationen Europas zu bewältigen:

  • Welche gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen und utopischen Gesellschaftsentwürfe begleiten den Prozess der Europäischen Integration?
  • Inwiefern haben die jüngsten Krisen die Europa-Diskurse verändert?
  • Welche Erneuerungspotenziale und Zukunftsentwürfe lassen sich im Hinblick auf Europa heute ausmachen?
  • Welche Deutungsangebote und Vorschläge zur Bewältigung der großen Zukunftsfragen macht die EU und welche Gesellschaftsentwürfe verbinden sich damit (gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeit, transnationale Solidarität, Postwachstum)?
Beiträge:
  • Christian Lahusen (Siegen): Gespaltenes Europa: politischer Unmut und soziale Ungleichheiten
  • Manuela Boatcă (Freiburg im Breisgau): Ungleiche Europas – von den Grenzen aus gedacht
  • Helmut Fehr (Erlangen): „Starker“ Staat und „starke“ Nation. Nationalismus als Transformationsideologie in Ost-Europa
  • Sebastian Büttner (Erlangen), Vincent Gengnagel (Berlin): Die imaginierte Transformation Europas: Zur Rolle des Utopischen in der europäischen Förderpolitik
  • Andreas Langenohl (Gießen): Valorisierung und Krisen von Austausch in Europa: Das Beispiel von Städtepartnerschaften

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 290KB]

Sektion Frauen- und Geschlechterforschung: Queere Zukünfte. Öffnung und Schließung von Möglichkeits(t)räumen Inhalt einblenden
Sektion Frauen- und Geschlechterforschung

Organisator_innen: Folke Brodersen (Berlin), Joris A. Gregor (Jena), Michaela Müller (Gießen), Andrea Nachtigall (Jena)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Raum: SR 384

Innerhalb posttraditionaler Gesellschaftsordnungen finden sich vielfältige Ambivalenzen einer These der Freiheit: Individuelle wie strukturelle Freiheitsgewinne und Freisetzungen stehen verlockende aber gebrochene Versprechungen, neue Anforderungen und im Namen der Freiheit reaktualisierte kapitalistische, heteronormative, rassifizierende und / oder klassenförmige Demarkationslinien und Vereinnahmungen gegenüber. Angesichts der verwirrenden Gleichzeitigkeit aus Diagnosen der Öffnung und Schließung, faktischen Potentialen und beobachtbaren, fühl- und spürbaren Verschärfungen gesellschaftlicher Ordnungsstrukturen zeigen sich derzeit ebenso vielgestaltige Zukunftsentwürfe, utopistische Praktiken und Versuche politischer Gestaltung. Wurden diese schon teilweise in Bezug zu Geschlechterordnungen wie männlicher Erwerbsarbeit und der antimuslimischen, rassifizierenden Zuschreibung eines Verhaftetseins in der Vor-/ Anti-Moderne analysiert, steht eine Betrachtung der Queerness dieser Zukunftsbeziehungen noch aus. Die Session „Queere Zukünfte. Öffnung und Schließung von Möglichkeits(t)räumen“ nimmt diese Fragestellung auf. Sie bearbeitet die Queerness gegenwärtiger Utopien und Dystopien, sucht nach möglichen queeren Zukunftsvisionen auf Basis verschiedener Zeitdiagnosen, betrachtet die in praktischen Zusammenhängen entstehenden und umgesetzten Zukunftsbezüge und fragt nach den politischen wie analytischen Grundlagen der gegenwärtigen Arbeit an queeren Zukünften.

Beiträge:
  • Luki Sarah Schmitz (Frankfurt am Main): Pose als Ausdruck nicht-hegemonialer Geschichtsschreibung und Anknüpfungspunkt für queere Zukünfte
  • Corinna Schmechel (München): Ambivalenzen der Arbeit an Körper und Selbst. Eine ethnografische Untersuchung im Kontext queerer Fitnessgruppen
  • Jennifer Stoll (Kassel): Becoming trans* parents: Zu den (Un-)Möglichkeiten von Elternschaft, Familie und Verwandtschaft jenseits cis-heteronormativer Modelle
  • Julia Wustmann (Dortmund), Babette Kirchner (Dortmund): Visual Kei als eine gegenwärtige Vision queerer Zukünfte? Von Jugendszenen als posttraditionaler Vergemeinschaftungsform

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 276KB]

Sektion Jugendsoziologie: Transformationen der Jugend – Jugend als Transformator Inhalt einblenden
Sektion Jugendsoziologie

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Raum: 385

Organisator_innen: Paul Eisewicht (Dortmund), Anja Schierbaum (Köln)

Das Phänomen Jugend ist in seiner soziohistorischen Verfasstheit einerseits ein Produkt gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse – u. a. der Etablierung und Ausdifferenzierung organisational geordneter (Aus-) Bildung, der Ausformulierung pädagogischer Konzepte im Umgang mit Jugendlichen und der Durchsetzung einer Massenkonsumkultur. Dabei unterliegt die Lebensphase Jugend einem beständigen Wandel – u. a. der Pluralisierung und Mediatisierung von Jugendkulturen oder den Auswirkungen sozioökonomischer Prekarisierung und sozialer Minorisierung. Jugend scheint dergestalt als ‚Seismograph der Moderne‘, anhand dessen sich deutlicher verstehen lässt, welche Konsequenzen gesellschaftliche Transformationen mit sich führen.

Jugendliche sind andererseits auch Produzenten sozialen Wandels, die gesellschaftliche Zustände begreifen, dementsprechend oder dagegen Umgangsweisen mit den alltagsweltlichen Handlungsproblemen des Lebens in der Moderne entwerfen und die darüber gesellschaftliche Probleme artikulieren und mitverhandeln. Jugend, genauer jugendliche Gesellungen sind dergestalt auch Laboratorien der Moderne‘. In der Jugend, bzw. von Jugendlichen adaptierte und entworfene Umgangsweisen sind dabei durchaus weitreichend – nicht nur in der lebensstilistischen Verjugendlichung‘ der Gesellschaft, sondern auch hinsichtlich sozial- und umweltpolitischer Bewegungen und wirtschaftlich relevanter medientechnischer Entwicklungen. Es scheint aber noch wenig erforscht, wie weitreichend der Einfluss Jugendlicher bzw. was mitunter das spezifisch jugendliche‘ einflussreicher junger Akteure ist.

Beiträge:
  • Paul Eisewicht (Dortmund), Anja Schierbaum (Köln): Eröffnung und thematische Einführung
  • Ingmar Mundt (Heidelberg): Polarisierte Zukünfte: Zukunftsnarrative und Selbstverständnisse junger Menschen in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und permanenter Krisenwahrnehmung
  • Andreas Fischer (Erlangen): Transformierte Adoleszenz – Transformierte Arbeitsorientierungen
  • Daniel Ganzert (Duisburg-Essen): Repräsentationspolitik in Communities of Practice. Jugendkulturelle Transformationspraktiken in marginalisierten Stadtteilen Deutschlands und Italiens
  • Hanna Haag (Hamburg): Intergenerationalität als Motor gesellschaftlichen Wandels? Wissensdynamiken im familiären Diskurs

Vortragsabstracts der Referent_innen

Sektion Land-, Agrar- und Ernährungssoziologie: Landwirtschaft und Ernährung als Spiegel von (Postwachstums)gesellschaften: Potenziale, Widersprüche, Interventionen Inhalt einblenden
Sektion: Land-, Agrar- und Ernährungssoziologie

Organisator_innen und Diskutant_innen: Jana Rückert-John (Fulda), Nils Schweers (Fulda), Carla Wember (Fulda)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Raum: SR 208

Das Thema Ernährung betrifft uns alltäglich, vermag unterschiedliche Anliegen zu-sammenzubringen und bietet dabei niedrigschwellige Zugänge, die eigene Position in der Gesellschaft zu betrachten. Der Sektionsveranstaltung liegt die These zugrunde, dass über die Betrachtung und kritische Hinterfragung von Ernährungspraktiken und -diskursen Erkenntnisse über Konturen und Herausforderungen von Postwachstumsgesellschaften gewonnen werden können, denn „Gesellschaften sind so, wie sie essen“. Der Fokus darauf, wie Ernährung organisiert und strukturiert wird, kann Einblicke in Gesellschaft ermög-lichen, in die sie eingebunden ist. Dabei zeigen sich neben und im transformativen Potenzial von Ernährungspraktiken und -diskursen auch Widersprüche, Herausforderungen und Risiken.

Vor diesem Hintergrund lässt sich auch die Rolle der Wissenschaft in Transformations-prozessen definieren. Um bestehenden sozialen Ungleichheiten entgegen zu wirken, bedarf es einer Soziologie, die reflexiv begleitet und soziale Praktiken in gesellschaftliche Zusammenhänge einordnet und diskutiert. Die Sektionsveranstaltung soll einen Raum bieten, unterschiedliche Forschungen zu Landwirtschaft und Ernährung hinsichtlich (1) ihrer Befunde zum Transformationspotential von Postwachstumsgesellschaften, (2) den darin liegenden Widersprüchen und Risiken sowie (3) der Rolle von Wissenschaft zu diskutieren.

Dazu wird zunächst vor dem Hintergrund der Arbeit der Sektion Land-, Agrar- und Ernäh-rungssoziologie das Themenfeld eröffnet und eingeleitet (Jana Rückert-John). Danach werden zwei Aspekte anhand von Vorträgen vertieft – Organisationsformen gemeinwohl-orientierter und gemeinschaftlicher Landwirtschaft (Carla Wember) sowie Responsibili-sierungsprozesse beim Thema Fleischverzicht (Nils Schweers). Diese sollen Diskussions-grundlagen bieten, um über Transformationspotenzial, Widersprüche und Interventionen ins Gespräch zu kommen.

Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie und Sektion Migration und ethnische Minderheiten: Medien und Migration: Eine aktuelle Bestandsaufnahme Inhalt einblenden
Sektionen Medien- und Kommunikationssoziologie & Migration und ethnische Minderheiten

Organisator_innen: Udo Göttlich (Friedrichshafen), Elisabeth Schilling (Bielefeld), Mathias Bös (Hannover)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Raum: SR 317

„Arbeitsmigranten, Kriegsflüchtlinge, Fachkräfte, Investoren“ sind gängige Topoi medialer Bilder von mobilen Menschen und über mobile Menschen. Sie repräsentieren die Ambivalenzen globaler Repulsivitäts- und Attraktivitätsdynamiken in Zeiten der Transformationen. Die Sektionssitzung widmet sich zunächst vor allem dem Stellenwert deutscher und internationaler Medien für Inhalte, Produktion, Nutzung und Verbreitung von Bildern über die Transformationen des Fremden und Eigenen, des Gefährlichen und des Nützlichen in den aktuellen Debatten um die Mobilität von Menschen. Dabei wollen wir nicht nur danach fragen, welche Bilder z. B. des „Kriegsflüchtlings“, bzw. welche Bilder von Flüchtlingen und Migranten in Presse, Rundfunk und Fernsehen bis zu den sogenannten sozialen Medien gezeichnet und verbreitet wurden. Darüber hinaus werden wir uns auch mit der Rolle der Medien im Wanderungsprozess selbst befassen und sowohl nach der Bedeutung der Medien in Bezug auf die Beschreibung von Mobilität und Migrationsgesellschaft fragen, als auch die Rolle der Medien für die Einbindung mobiler Menschen in unterschiedliche transnationale Medienkulturen thematisieren. Die übergeordnete Fragestellung der Sektionssitzung ordnet sich der im Themenpapier zur Regionalkonferenz angesprochenen Fragestellung unter, ob und wie im Kontext unterschiedlicher Medien und Medienkulturen die Auseinandersetzung mit den Ambivalenzen globaler und transnationaler Dynamiken sichtbar und gestaltet wird.

Beiträge:
  • Leandro Raszkewicz (Dresden): Die Figur der „Wirtschaftsflüchtlinge“. Mediale Darstellungen von geflüchteten Personen als „Wirtschaftsflüchtlinge“ in der deutschen Qualitätspresse am Beispiel der Berichterstattung des Nachrichtenmagazins Der Spiegel im Zeitraum 2014 – 2016
  • Martin Seeliger (Flensburg): „Wer mir Befehle gibt? Nur meine Eier!“ – Ungleichheit und Konflikt in Einwanderungsgesellschaften am Beispiel von ‚4 Blocks‘ und ‚Dogs of Berlin‘
  • Christina Schachtner (Klagenfurt): Transnationale Räume und skopische Medien. Sozialität im Wandel
  • Heike Greschke (Dresden): „Bleibeperspektive“ – Mediatisierungstheoretische Überlegungen zu Integration im Kontext transstaatlicher Familienorganisation

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 342KB]

Sektion Politische Soziologie: Modelle Radikaler Demokratie Inhalt einblenden
Sektion Politische Soziologie

Organisator_innen: Ulf Bohmann (Chemnitz/Jena), Paul Sörensen (Augsburg)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Raum: SR 206

In der Konjunktur der Postdemokratiethese kreuzen sich zwei Diskurse: Die inhärente Krisenhaftigkeit (oder gar der Verfall) der liberalen Demokratie in wohlhabenden ‚westlich‘-kapitalistischen Gesellschaften, und der in gewissem Sinne gegenläufige Ruf nach einer anderen, tieferen oder eben ursprünglichen Demokratie: der Radikalen Demokratie. Es nimmt mithin nicht Wunder, dass dabei nur allzu oft die identischen Referenzautor*innen angeführt und diskutiert werden. Die vornehmlich postmarxistischen (und disziplinär meist philosophischen) Protagonist*innen dienen dabei als anregende, originelle und provokante Stichwortgeber. Sehr unterschiedlich ausgerichtete Alternativen finden sich aber auch in der Theoretisierung politischer Gemeinschaften, die nach maximaler kollektiver Autonomie in Bezug auf ihr Zusammenleben und ihre Lebensgrundlagen streben – gerade im Postwachstumskontext werden gegenwärtig derart geartete Ansätze heiß diskutiert und dürfen als hochgradig umstritten gelten. Was jenseits von verdienstvollen exegetischen Bemühungen, philosophischer Elaborationen oder auch politisch-diskursiven Interventionen deutlich zu kurz gekommen ist, ist der Fokus auf institutionelle Umsetzungen, mithin auf die Betrachtung, Entwicklung oder Kritik praktischer Modelle. Das Panel soll somit theoretische Modellierungen wie auch empirische Fallstudien, durchkomponierte Idealtypen wie auch Realisierungsversuche und Transformationspotentiale versammeln und vergleichend begutachten.

Beiträge:
  • Malte Miram (Bonn): Soziale und politische Institutionen in der radikalen Demokratie
  • Phillipp Wolfesberger (Mexiko-Stadt, MX): Radikale Demokratie und Kommunalität. Praktische Gestaltung von solidarischer Macht in Lateinamerika
  • Andreas Busen (Hamburg): Solidarität – Ein vernachlässigtes Moment radikaldemokratischer Praxis?
  • Gisela Mackenroth (Tübingen): Demokratische Teilhabe als Erkenntnisposition. Wissensproduktionen in radikaldemokratischen Aneignungen von Stadt
  • Thomas Linpinsel (Gießen): Jacques Rancière und die Störung als Praxis der Theorie

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 857KB]

Sektion Rechtssoziologie: Die Konstruktion der Zukunft im Recht Inhalt einblenden
Sektion: Rechtssoziologie

Organisatorin: Doris Schweitzer (Gießen)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Raum: UHG HS 250, Universitätshauptgebäude, Fürstengraben 1

Das Recht kennt verschiedene Zeitbezüge. So wird etwa die Vergangenheit aktualisiert, wenn es abgeschlossene Tatbestände behandelt. Zugleich dient das Recht der Erwartungssicherung, wodurch die Gegenwart vor der Ungewissheit der zukünftigen Entwicklung gesichert wird. In der Umstellung von Gefahrenabwehr auf Risikovorsorge kommt aber auch ein anderer Modus zum Tragen: die Zukunft wird vergegenwärtigt. Hierfür kann man sicherlich auf zahlreiche Untersuchungen der Entwicklungen im Straf- und v.a. Polizeirecht aus dem Bereich der security studies verweisen, die auf die strukturbildende Funktion des Präventionsgedankens verweisen (und der nicht zuletzt paradigmatisch in der „drohenden Gefahr“ im bayerischen Polizeigesetz zum Ausdruck kommt; zu verweisen wäre aber auch auf die Debatten um das „lernende Recht“). Ein solcher veränderter Zeitbezug des Rechts in der Konstruktion des Zukünftigen lässt aber auch in anderen, in der Forschung weniger prominenten Bereichen feststellen: So kann man die Entwicklungen des Umweltschutzgedankens im Rechts anführen (sowohl auf nationaler wie internationaler Ebene, Stichwort Klimaschutzabkommen), oder auf die Rolle der Kategorie der Nachhaltigkeit im Verwaltungshandeln verweisen (wenn etwa Verwaltungsentscheidungen für  mehrere „Millionen Jahre“ Sorge tragen müssen, vgl. §§22f. Standortauswahlgesetz). Und u. U. lässt sich dieser Wandel auch auf der Ebene der juristischen Selbstreflexion erkennen, wenn etwa die neue Verwaltungsrechtswissenschaft sich als „Steuerungswissenschaft“ versteht.

Handelt es sich hier um punktuelle Beispiele aus dem Recht, in denen die Zukunft je spezifisch vergegenwärtigt wird, oder kann man eine weitergehende Transformation dahingehend erkennen, dass nun nicht mehr die Gegenwart vor der Zukunft gesichert wird, sondern die Zukunft vor einer drohenden Gegenwart? Im Panel soll dieser These anhand von konkreten Beispielen im Recht nachgegangen werden.

Beiträge:
  • Andrea Kretschmann (Berlin): Fiktionalität im Recht. Logiken des Antiterrorismus in der Kontrolle zivilgesellschaftlichen Engagements
  • Birgit Apitzsch (Göttingen), Berthold Vogel (Göttingen): Zwischen Einzelfallentscheidung und gesellschaftlicher Verantwortung: Gestaltungsansprüche und Zukunftsbezüge in der justizjuristischen Praxis
  • Michael Goldhammer (Bayreuth/Tübingen): Die unechte Prognose im Öffentlichen Recht
  • Markus Rudolfi (Bochum): Verstetigtes Provisorium: Experimentalisierte Nachhaltigkeit im Baurecht
  • Felix Ekardt (Rostock): Intertemporaler Menschenrechtsschutz: Klimaklage vor dem BVerfG

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 75KB]

Sektion Religionssoziologie: Religion in „The Great Transformation“: Entzauberung, treibende Kraft und kritische Reflexionsinstanz Inhalt einblenden
Sektion Religionssoziologie

Organisator_innen: Marc Breuer (Paderborn), Jens Köhrsen (Basel, CH), Kornelia Sammet (Leipzig), Heidemarie Winkel (Bielefeld)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Raum: UHG HS 144, Universitätshauptgebäude, Fürstengraben 1

Das Panel basiert auf der Annahme, dass die Große Transformation und ihre gegenwärtigen Weiterentwicklungen in verschiedener Hinsicht eng mit religiösen Dynamiken verbunden sind. Religion ist also eine integrale Dimension wirtschaftlicher und sozio-politischer Prozesse. Dies bezieht sich gleichermaßen auf soziale, kulturelle, ökologische, ökonomische, technologische und politische Implikationen moderner kapitalistischer Gesellschaften. In diesem Sinne fokussiert das Forum „Religion in The Great Transformation“ zum einen auf Transformationsprozesse in religiösen Feldern, ob auf lokaler oder globaler Ebene, die sich in neuen Organisationsformen, institutionellen Mustern und Wissensformen manifestieren. Zum anderen geht es darum, wie sich Religionen zu den tiefgreifenden Umbrüchen verhalten.

Religion wird damit als Spiegel, Medium und Kontrasthorizont sozialer Transformationen in den Blick genommen. Das heißt: Religion lässt sich – vor dem Hintergrund des globalen Kapitalismus und darauf bezogener vielfältiger Spannungsverhältnisse – einerseits als treibende Kraft gesellschaftlichen Wandels und Referenzgröße der Entwicklung neuer, auch politischer Visionen von Gesellschaft sehen. Andererseits beziehen sich religiöse Akteure auch immer wieder kritisch auf die Große Transformation, d.h. Religion kann selbst zu einer Reflexionsinstanz und zum Kontrasthorizont werden.

Das Panel versteht Religion als integrale Dimension ökonomischer, kultureller und sozio-politischer Prozesse und untersucht Religion als Spiegel, Medium und Kontrasthorizont sozialer Transformationen.

Beiträge:
  • Hartmann Tyrell (Bielefeld): Entzauberung und Säkularisierung. Begriffsgeschichtliche und systematische Anmerkungen zu Max Weber
  • Jens Köhrsen (Basel, CH): Max Weber 2.0: Prosperity Gospel als Kapitalismusbeschleuniger im Globalen Süden?
  • Heidemarie Winkel (Bielefeld): Religion als Reflexionsinstanz der Großen Transformation. Kontextuelle Theologien als postkolonialer Code der Kritik
  • Annette Schnabel (Düsseldorf): Religion und Nation als globale Felder der Differenz

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 84KB]

Sektion Wirtschaftssoziologie: Umarmte Gegenbewegungen: Zur Rolle der Kapitalismuskritik für den Wandel von Marktgesellschaften Inhalt einblenden
Sektion Wirtschaftssoziologie

Organisator_innen: Sascha Münnich (Göttingen), Lisa Knoll (Hamburg/ Halle-Wittenberg), Klaus Kraemer (Graz)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Raum: SR 306

In dieser Veranstaltung wollen wir empirische Forschung und theoretische Überlegungen für eine Re-Konzeptualisierung des Verhältnisses von kapitalistischen Ökonomien und ihrer gesellschaftlichen Kritik und Legitimität zusammentragen. Karl Polanyi hat in der „Great Transformation“ im Hinblick auf die Rolle von Gegenbewegungen für die institutionelle Fortentwicklung kapitalistischer Gesellschaften argumentiert, dass die gesellschaftliche Kritik am Kapitalismus als ein immanenter Erklärungsfaktor in die sozialwissenschaftliche Analyse der Dynamik von kapitalistischen Gesellschaften einbezogen werden sollte.

In Anknüpfung daran ist unser Ausgangspunkt, dass die institutionelle Entwicklung kapitalistischer Gesellschaften in einem fundamentaleren Sinne durch gesellschaftliche Konflikte um die Legitimität der bestehenden Wirtschaftsordnung angetrieben wird, als die sozialwissenschaftliche Kapitalismusforschung dies bisher annimmt. Empirische Legitimitätsforschung sollte nicht dabei stehen bleiben, so die Überlegung, welche Gruppen oder Individuen zu einem bestimmten Zeitpunkt die jeweilige Wirtschaftsordnung für legitim halten oder kritisieren, sondern diese Konflikte als Teil der sozioökonomischen und institutionellen Prozesse von Vermarktlichung, Flexibilisierung oder auch Finanzialisierung selbst erforschen.

Es geht also um solche empirischen und theoretischen Beiträge zur Dynamik wirtschaftlicher Felder, Märkte oder Organisationen, die sich an der Polanyischen Forderung orientieren, die „permanente Selbstreparatur des Kapitalismus“ analytisch in die Analysen einbezieht. Insbesondere stehen solche Momente im Zentrum unseres Interesses, in denen gerade die öffentliche oder politische Kritik an kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen oder auch nur einzelnen „Auswüchsen“ ökonomischen Handelns ihrerseits zur Grundlage neuer ökonomischer Dynamiken, neuer Märkte und / oder Produktionsformen wird.

Beiträge:
  • Esra Erdem (Berlin): Über die Politik der Repräsentation postkapitalistischer Differenz
  • Gregir Kungl (Stuttgart): Zur Absorption ökologischer Kapitalismuskritik in der deutschen Energiewende
  • Pierre-Louis Choquet (Cergy Pontoise, FR): Performing seriousness in a context of organizational and technological lock-in: tales of responsiveness to climate change in the oil & gas industry
  • Lisa Knoll (Hamburg), Eve Chiapello (Paris, FR): Social Impact Bonds, Wohlfahrtskonventionen und die Umarmung der Kritik
  • Mechthild Bock (Berlin): Wer umarmt wen? Kapitalismus(kritik) und Grundeinkommen

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 79KB]

AG Soziologiegeschichte: 1989 – Soziologiegeschichte einer Wendezeit Inhalt einblenden
AG Soziologiegeschichte

Organisator_innen: Stephan Moebius (Graz, AT), Andrea Ploder (Siegen), Nicole Holzhauser (Braunschweig)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Raum: SR 308

1989 war nicht nur auf globalpolitischer Ebene eine Wende-, Transformations-, und Umbruchszeit, sondern wirkte sich auch auf die Sozialwissenschaften aus. Die Umbruchsprozesse nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ergriffen, wenig verwunderlich, auch die Soziologie. Niemand hatte diese gesellschaftlichen Dynamiken prognostiziert, was viele im Nachhinein als beschämend für die Disziplin empfanden. Angestoßen durch den unvorhergesehenen gesellschaftlichen Wandel machten sich in den Sozialwissenschaften schnell neue Impulse bemerkbar. In (West-)Deutschland setzte zügig die soziologische Transformationsforschung ein, es wurde u. a. ein Schwerpunktprogramm der DFG ins Leben gerufen und die Modernisierungstheorie erlebte einen (wenn auch kurzfristigen) Boom. Mitunter wurde dies als „forschende ›Aneignung‹“ (Rehberg) Ostdeutschlands empfunden, die mit der Wahrnehmung einer institutionellen Kolonialisierung der Soziologie einherging. Das soziologische Feld veränderte sich aber nicht nur institutionell, sondern auch in Bezug auf die Theorienlandschaft. Die Diskussionen um die beiden Großtheorien von Habermas und Luhmann der 1980er Jahre ebbten zugunsten einer Vielfalt von speziellen Soziologien, der Theorie der Reflexiven Moderne oder – im Zuge des Ausbleibens der versprochenen „blühenden Landschaften“ – Prekaritäts- und Exklusionsdebatten ab.

Die AG Soziologiegeschichte lädt zu Vorträgen ein, die sich mit der Geschichte der Soziologie um 1989 befassen – in Deutschland und darüber hinaus.

Beiträge:
  • Katharina Lenski (Jena): DDR-Soziologie als Geschichte
  • Stephan Moebius (Graz, AT): Soziologische Wendezeiten: Die Transformationen des soziologischen Feldes in Deutschland seit den 1980er Jahren
  • Tanja Paulitz (Darmstadt): Theoriepolitische Sondierungen zum Gender Turn in der feministischen Soziologie
  • Karl-Siegbert Rehberg (Dresden): Soziologie nach der „Wende“ – eine neue Disziplin?
  • Angelika Schwarz (München): 1989 – Eine soziologische Chronik der Gefühle

Vortragsabstracts der Referent_innen   [pdf 82KB]

Donnerstag, 26. September 2019

Sektion Bildung und Erziehung: Akademisierung und Transformationen der Arbeitswelt Inhalt einblenden
Sektion Bildung und Erziehung

Organisator_innen: Alexander Mitterle (Halle), Manfred Stock (Halle)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Raum: SR 317

Untersuchungen zum Verhältnis von akademischer Bildung und Akademikerbeschäftigung zeigen, dass das Beschäftigungssystem in Deutschland die beständig wachsende Zahl an Hochschulabsolventen bislang weitgehend absorbiert hat und zwar insgesamt auf angemessenen Stellen. Es liegt die Annahme nahe, dass in der Arbeitswelt auch berufliche Einsatzfelder in Anpassung an die Expansion der Hochschulen erzeugt werden. Mit der Hochschulexpansion nimmt der Anteil anwendungsbezogener Studiengänge weiter zu. Die Einrichtung eines solchen Studiengangs beruht darauf, dass spezifische Handlungsprobleme für spezifische berufliche Felder konstruiert oder bereits bestehende Handlungsprobleme redefiniert werden. Dem Studiengang wird das theoretische Wissen von unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen zugeordnet, die für diese Felder als relevant erachtet werden, und zwar mit dem Anspruch, dass sich die konstruierten oder redefinierten Probleme unter Anwendung dieses theoretischen Wissens lösen lassen. Mit der Akademisierung wird die Erwartung institutionalisiert, dass man sich mit der Anwendung wissenschaftlichen Wissens auf eine angemessenere Lösung beruflicher Handlungsprobleme berufen kann. Gleichwohl sind die Gründe, die Mechanismen und Prozesslogiken dieser Entwicklungen weitgehend ungeklärt. Auf welche Weise sich dieses wissenschaftliche Wissen tatsächlich praktisch bewährt bzw. adaptiert oder verändert werden muss und welche transformativen Prozesse dadurch in der beruflichen Praxis eingeleitet werden, sind weitgehend offene Fragen, die im Rahmen der Veranstaltung diskutiert werden sollen.

Beiträge:
  • René Krempkow (Berlin), Susan Harris-Huemmert (Speyer), Michael Hölscher (Speyer), Kerstin Janson (Berlin): Akademisierung im Hochschul- und Wissenschaftsmanagement – Problem oder Lösung?
  • Christoph Schubert (Halle): Akademisierung der Lerntherapie. Erschließen, besetzen, verteidigen – Pädagogik und Psychologie ringen um Deutungshoheit
  • Anett Maiwald (Halle): Akademisierte Erziehungsarbeit? Intrusion wissenschaftlichen Wissens und die Transformation von Handlungsorientierungen und frühpädagogischer Semantik
  • Alexander Mitterle (Halle): Gründen lernen? Entrepreneurship Studies und die Rationalisierung des Neuen
  • Martin Winter (Detmold): Akademisierung von Musikhochschulen

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 341KB]

Sektion Professionssoziologie: Prekäres Gemeinwohl? Professionen zwischen Markt, Partikularinteressen und sozialer Verantwortung Inhalt einblenden
Sektion Professionssoziologie

Organisator_innen: Christiane Schnell (Frankfurt am Main), Julia Gutjahr (Hamburg)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Raum: SR 317

Die Gemeinwohlorientierung ist die zentrale Legitimation des Sonderstatus der Professionen. Die besondere Expertise von Professionen ist gleichermaßen von gesellschaftlicher Relevanz, wie sie dem Gemeinwohl dienen soll. Während diese idealtypische Konzeption historisch-kritisch relativiert wurde, sorgte die Einführung sogenannter neuer Steuerungsprinzipien in der öffentlichen Daseinsvorsorge für einen Strukturwandel im Feld der professionellen Arbeit. Vertrauen in die professionelle Wertorientierung und kollektive Selbstregulation sollte zumindest teilweise durch „Accountability“ sowie mitunter der Vorstellung von KlientInnen als souveräne KonsumentInnen abgelöst werden. Und nicht zuletzt haben Professionen selbst Strategien der Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen entwickelt und durchaus auch proaktiv ihre eigene Kommerzialisierung betrieben. Wo also bleibt die Gemeinwohlorientierung im Feld der professionellen Arbeit unter den Bedingungen des Strukturwandels und zunehmender Privatisierung des öffentlichen Sektors? Ist das Gemeinwohl nicht auch an einen Konsens des gesellschaftlich Relevanten gebunden, der von der Wettbewerbsdynamik bspw. im Gesundheits- und Sozialsystem oder Kulturbereich untergraben wird? Was geschieht mit der professionssoziologischen Überlegung, dass das Verantwortungsbewusstsein in der professionellen Praxis selbst erzeugt wird? Diese und andere Fragen im Spannungsfeld zwischen Gemeinwohlorientierung, Partikularinteressen und der Rückkehr des Staates werden im Rahmen der Sektionsveranstaltung diskutiert. Empirische wie theoretische Beiträge zu klassischen oder neuen Feldern der professionellen Arbeit sind hierzu gleichermaßen eingeladen.

Beiträge:
  • Christiane Schnell (Frankfurt am Main), Julia Gutjahr (Hamburg): Gemeinwohlorientierung und Strukturwandel im Feld der professionellen Arbeit
  • Gina Atzeni (München): Überlegungen zur sozialen und soziologischen Funktion des Konzepts Gemeinwohlorientierung
  • Silke Ötsch (Göttingen): Professionelle der Steuergestaltung. Unterstützt der institutionelle Rahmen der Professionellen in Deutschland Tendenzen der Entbettung oder Wiedereinbettung?
  • Friedrich Heubel (Marburg): Überwucherte Professionalität: ›Soul of Professionalism‹ und das Gesundheitswesen
  • Ramona Lange (Berlin), Kaspar Molzberger (Berlin), Susanne Dettmer (Berlin): Karrieren in der Universitätsmedizin zwischen professioneller Kollegialität und Einzelinteresse
  • Freya Gassmann (Saarbrücken), Eike Emrich (Saarbrücken): (Nachwuchs-) Wissenschaftler im Spannungsverhältnis von Beruf(ung) und Berufungsfähigkeit?
  • Helena Flam (Leipzig): Professionen und Zivilgesellschaft

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 80KB]

Sektion Soziale Indikatoren und Sektion Umweltsoziologie: Nachhaltigkeitsindikatoren: Ansätze, Befunde und Potenziale der soziologischen Forschung Inhalt einblenden
Sektion Soziale Indikatoren und Umweltsoziologie

Organisator_innen: Christiane Lübke (Duisburg-Essen), Jens Jetzkowitz (Berlin)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Raum: SR 306

Ziel der gemeinsamen Veranstaltung der Sektionen Umweltsoziologie und Soziale Indikatoren ist es, aktuelle Ansätze zur Messung von Nachhaltigkeit zu diskutieren, Befunde aus Forschungsarbeiten mit Nachhaltigkeitsindikatoren zusammenzutragen und die Potenziale soziologisch-geprägter Indikatorenforschung aufzudecken. Nachhaltigkeitsindikatoren sind messbare und somit überprüfbare Kennzahlen, mit denen verschiedene Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung beschrieben und deren Entwicklung beurteilt werden können. Sie sind damit vor allem ein wichtiges Instrument, um die Effektivität von Anstößen für sozialökologischen Wandel überprüfbar zu machen.

Nachhaltige Entwicklung ist ein Leitbegriff in der Diskussion darüber, wie sich moderne Gesellschaften künftig entwickeln sollten. Das schließt sowohl ökologische, soziale und ökonomische Zielsetzungen mit ein. Die Veranstaltung bringt daher wissenschaftliche Beiträge zusammen, die sich mit Indikatoren zur Messung und Analyse verschiedenster Nachhaltigkeitsfelder befassen. Dazu zählen sowohl Kennzahlen zur Messung umweltbezogener Entwicklungen wie bspw. die der Biodiversität, als auch Beiträge zur Messung von umwelt- und klimaschutzbezogene Einstellungen, zur Umsetzung von verschiedenen Nachhaltigkeitszielen wie bspw. den Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels oder der Steigerung von Gesundheit und Wohlergehen. Betrachtet werden außerdem mögliche Konflikte zwischen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeitszielen.

Beiträge:
  • Peter Krause (Berlin): Von der Sozial-Indikatoren-Bewegung zu den SDG’s. Integrierte Entwicklungskonzepte (sozial-ökonomischer und ökologischer) Nachhaltigkeit – Daten und Analysen
  • Ricarda Scheele (Stuttgart), Oliver Scheel (Stuttgart): Nachhaltige Energietransformation: Ein Konzept zur methodischen Erhebung und Integration sozialer Nachhaltigkeitsindikatoren in Energiesystemmodelle
  • Markus Janser (Nürnberg): Der Greenness-of-Jobs Index (GOJI) – Die empirische Analyse der Arbeitsmarktdimension ökologischer Nachhaltigkeit durch die Verknüpfung eines Text-Mining-basierten Indikators mit der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit
  • Christiane Lübke (Duisburg-Essen): Klimawandel in den Köpfen? Indikatoren zum Klimabewusstsein in sozialwissenschaftlichen Datensätzen
  • Andre Mascarenhas (Berlin), Katrin Vohland (Berlin), Christoph Häuser (Berlin): Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Biodiversitätsindikatoren durch Netzwerkanalyse
  • Jasmin Honold (Berlin): Nachhaltigkeits-Monitoring in Kommunen: Ein SDG-Indikatorkatalog und seine potenziellen Weiterentwicklungen

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 92KB]

Sektion Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse: Meritokratie – Utopie oder Dystopie? Inhalt einblenden
Sektion Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse

Organisator_innen: Olaf Groh-Samberg (Bremen), Corinna Kleinert (Bamberg), Markus Lörz (Jena), Katja Pomianowicz (Jena)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Raum: SR 207

Meritokratie gilt im Selbstverständnis moderner Gesellschaften als Prinzip, das Chancengerechtigkeit gewährleisten soll, meritokra­ti­sche Grundsätze sind jedoch nicht uneingeschränkt durchgesetzt. Dennoch bzw. gerade deshalb gilt Meritokratie oft als erstrebens­wertes Ziel, weil damit allein erworbene Merkmale über gesellschaftlichen Erfolg, Anerkennung und Wohlstand bestimmen. Meritokratische Gesellschaften ermöglichen in dieser Lesart soziale Mobilität.

Meritokratie lässt sich aber auch als Ideologie zur Legitimation bestehender Ungleichheiten deuten. Welche Folgen eine Gesellschaft bereithält, die vollständig auf meritokratischen Prinzipien aufgebaut ist, hat Michael D. Young in seinem Zukunftsroman „The Rise of the Meritocracy“ zu Ende gedacht. Die dort vorherrschende Herrschaft der Leistungseliten erzeugt auch eine Gruppe von Abgehängten, denen bereits früh in ihrem Leben bewusst wird, wo ihre Grenzen liegen und wo damit ihr Platz in der Gesellschaft ist. Eine meritokratische Gesellschaft ist mithin keinesfalls egalitär.

In der Sektionssitzung sollen diese und andere Sichtweisen auf Meritokratie im Kontext aktueller Ungleichheitsentwicklungen diskutiert werden. Insbesondere interes­siert uns dabei die Frage, ob und in welchem Ausmaß moderne Gesellschaften bereits heute die von Young prognostizierte (paradoxe) „Herrschaft der Leistungseliten“ aufweisen und ob sie sich in einer „Great Transformation“ von askriptiven zu kompetitiven Ungleichheiten befinden.

Beiträge:
  • Steffen Hillmert (Tübingen): Meritokratie als Maßstab, Mythos und Motor gesellschaftlicher Ungleichheit
  • Bettina Mahlert (Aachen): Meritokratie und Moderne. Talcott Parsons, Pierre Bourdieu und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen
  • Stefan Holubek (Bremen): ›Ein paar Sachen, die einfach so gekommen sind, wie sie gekommen sind.‹ Statushorizonte und ihre Enaktierbarkeit in Lebensführungen deutscher Mittelschichten
  • Stephan Voswinkel (Frankfurt am Main): Aufstiegsorientierung – verallgemeinerbare Orientierung oder unterwerfende Anrufung und Fiktion einer meritokratischen Gesellschaftskonzeption?
  • Hartmut Esser (Mannheim): Ist das Ability-Tracking nicht eigentlich nur rein meritokratisch verkleidetes ›Nobility‹-Tracking? Die Bedeutung der kognitiven Fähigkeiten und der Leistungsdifferenzierung für den schulischen Kompetenzerwerb, Bildungsgleichheit und -gerechtigkeit

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 78KB]

Sektion Soziologische Theorie: Zeitdiagnosen – Belastbare Deutungsangebote oder haltloser Alarmismus? Inhalt einblenden
Sektion Soziologische Theorie

Organisator_innen: Sina Farzin (Hamburg), Henning Laux (Chemnitz)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Ort: Großer Rosensaal, Fürstengraben 27, 07743 Jena

Soziologische Zeitdiagnosen haben innerhalb ihrer eigenen Disziplin einen zwiespältigen Ruf: Einerseits vermitteln sie soziologische Erkenntnisse in eine breite Öffentlichkeit und erreichen potentiell Leser_innen jenseits der eigenen überschaubaren fachlichen Community mit soziologischen Deutungsangeboten. Andererseits orientieren sie sich gerade aufgrund ihres popularisierenden Anspruchs häufig sowohl in Duktus als auch Inhalt eher an massenmedialen als an wissenschaftlichen Kommunikationsroutinen. Zeitdiagnosen setzen, so die Kritik, auf radikale Vereinfachung, Zuspitzung und „Newsworthiness“ und zurren komplexe empirische und theoretische Hintergründe in möglichst einem einprägsamen Schlagwort zusammen. Dass dabei die empirischen und theoretischen Grundlagen soziologischer Zeitdiagnostik instabil werden, ist eine Befürchtung, die innerhalb der wissenschaftlichen Community immer wieder artikuliert wird. Wir möchten diese Diskussion entlang von einschlägigen Diagnosen fokussieren und dabei das Verhältnis von Zeitdiagnostik und Gesellschaftstheorie zur Diskussion stellen.

Beiträge:
  • Thorsten Peetz (Bremen), Anne K. Krüger (Berlin), Hilmar Schäfer (Frankfurt (Oder)): ›Bewertungsgesellschaft‹ als Zeitdiagnose? Zwischen starken Thesen und partiellen Deutungsangeboten
  • Annette Schnabel (Düsseldorf): Singularität und Resonanz – Zeitdiagnosen und Handlungstheorie
  • Tobias Werron (Bielefeld): Zeitdiagnose und Gesellschaftstheorie: Zur Beziehung zweier soziologischer Genres

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 63KB]

Sektion Sozialpolitik: Transformationen der Wohlfahrtsproduktion Inhalt einblenden
Sektion Sozialpolitik

Organisator_innen: Thilo Fehmel (Leipzig), Sigrid Betzelt (Berlin)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Raum: SR 208

Sozialstaatlichkeit als Vergesellschaftungsform und Sozialpolitik als Institutionenkomplex galten über lange Zeit hinweg als zentrale Mechanismen, mit denen die „soziale Einbettung der Ökonomie“ gewährleistet schien. Doch nach Meinung vieler Beobachter lässt die Wirksamkeit dieser beiden Integrationsformen nach: Zum einen wird den (europäischen) ausgebauten Wohlfahrtspolitiken bescheinigt, als Bollwerk gegen Markt und Ökonomie zunehmend zu versagen – zu erkennen etwa an der Zurückdrängung dekommodifizierender zugunsten kommodifizierender, aktivierender, produktivistischer sozialpolitischer Elemente. Zum anderen sind Sozialpolitiken selbst mehr und mehr durchdrungen von wirtschaftlich geprägtem Denken und Regulieren, wie es etwa mit den zentralen Schlagworten der Ökonomisierung, Vermarktlichung und Entstaatlichung sozialer Sicherheit, aber auch der Wohlfahrtsproduktion und Sozialinvestition zum Ausdruck kommt. So gesehen geraten sozialpolitische Ziele und Praktiken immer stärker unter den Einfluss ökonomistischer Imperative. Das lässt sich als Transformation der Wohlfahrtsproduktion konzeptualisieren.

Die Veranstaltung unterzieht diese Konzeption des sozialen und sozialpolitischen Wandels einer kritischen Prüfung und möchte Belege sammeln, die die These einer grundlegenden Transformation der Wohlfahrtsproduktion be- oder auch widerlegen.

Beiträge:
  • Thomas Lange (Heidelberg): Hybride Beziehungen zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden als ungeplante Folge sozialpolitischer Reformen
  • Dirk Hofäcker (Duisburg-Essen): Der politische Paradigmenwechsel von der Frühverrentung zum ›Aktiven Altern‹ und dessen sozialstrukturelle Folgen: Ein kritischer Rückblick auf Transformationen der späten Erwerbsphase in Deutschland seit den 1970er Jahren
  • Viviane Vidot (Bielefeld): Wandel mit transformativem Charakter: Der Kita-Ausbau und die doppelte Vergesellschaftung von Müttern
  • Lukas Pfäffle (Heidelberg): Der Sozialstaat – Ein Idealtyp

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 88KB]

Sektion Soziologie des Körpers und des Sports und Sektion Methoden der qualitativen Sozialforschung sowie Arbeitskreis Politische Ethnografie: Widerstand und Mobilisierung – Zur Wiederkehr der ›Straße‹ in Zeiten existentieller Probleme Inhalt einblenden
Sektion Soziologie des Körpers und des Sports und Sektion Methoden der qualitativen Sozialforschung sowie Arbeitskreis Politische Ethnografie

Organisator_innen: Dörte Negnal (Siegen), Thomas Scheffer (Frankfurt am Main), Robert Schmidt (Eichstätt-Ingolstadt)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Raum: SR 316

Unsere gemeinsame Veranstaltung der Sektionen Qualitative Methoden der Sozialfor-schung, der Sektion Soziologie des Körpers und des Sports sowie des Arbeitskreises Politische Ethnographie fragt nach der Bedeutung der „Straße“ und der dort lokalisierten und situierten Praktiken in ihren verschiedenen politischen Zusammenhängen. In den politischen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre lässt sich eine Renaissance der „Straße“ unter Mediatisierungs- und Digitalisierungsbedingungen beobachten. Die „Straße“ ist Träger und Auftrittsort von Politiken der Sichtbarkeit entlang von Körpern. Sie ist eingefasst und verstärkt durch eine Vielzahl multimodaler, multimedialer politischer Aktivitäten und Praktiken, die die Relevanz des Performativen unterstreichen und auf die Aufladung von Gegenständen als politische Angelegenheiten zielen. Diese Aufladung generiert und belegt Symbolkraft, erschließt und blockt Aufmerksamkeiten, fordert und prägt das kulturelle Wissen und den Common Sense. Im Medienverbund von verkörperten Protest-Praktiken, mundanem Soziologisieren, gegenwartsdiagnostischen Diskursen im Feuilleton u. ä. werden so bestimmte Fragen als existentielle Probleme der Gegenwart relevant gesetzt und ‚politisiert‘, andere hingegen de-thematisiert und entpolitisiert.

Wir laden Vorträge ein, die diese vielfältigen Dynamiken ausgehend von Straßenprotesten mehr oder weniger spekulativ nachzeichnen und politische Fallstudien, wie Ethnographien und Diskursanalysen, zu zeitgenössischen Problemstellungen anlegen.

Beiträge:
  • Franz Erhard (Leipzig), Alexander Leistner (Leipzig): ›Soldiers for freedom, nation and blood‹. Der Wandel von Anerkennungsordnungen kollektiv-öffentlicher Gewaltausübung durch Fußballhooligans im Zuge der *GIDA-Bewegungen
  • Thomas Kron (Aachen): Das Politische der Messerstecher
  • Philipp Wallmeier (Frankfurt am Main): Die Bearbeitung existentieller Probleme in Widerstandsbewegungen. Zur Selbsteinhegung der Politik der Landkommune seit den 1970er Jahren
  • Daniel Šuber (Würzburg): Zur politischen Funktion von Graffiti in Serbien: Zwischen Subversion und Retrogression

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 78KB]

Sektion Stadt- und Regionalsoziologie: Klimawandel und urbane Transformationen zur CO2-neutralen und resilienten Stadt Inhalt einblenden
Sektion Stadt- und Regionalsoziologie

Organisator_innen: Dieter Rink (Leipzig), Sigrun Kabisch (Leipzig)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Raum: Hörsaal 6

Urbane Transformationen sind eine entscheidende Dimension bei der Umsetzung der Großen Transformation, der Klimawandel stellt dabei die zentrale Herausforderung dar. Im Panel soll u.a. darüber diskutiert werden, wie die beiden Transformationen initiiert und beschleunigt werden können, wer die entscheidenden Akteure und die entsprechenden Governance-Strukturen sind. Diese Fragen sollen theoretisch-konzeptionell und / oder empirisch an Fallbeispielen bzw. Vergleichen elaboriert werden.

Beiträge:
  • Peter Moser (Osnabrück): CO2-neutrale Stadt – eine kritische Reflektion
  • Hubert Heinelt (Darmstadt): Lokale Klimapolitik als ›battle over ideas‹
  • Gerhard Fuchs (Stuttgart): Energy Transitions as local projects: situative governance in Germany
  • Christian Kuhlicke (Leipzig): Die resiliente Stadt
  • Marie-Luise Baldin (Erfurt), Heidi Sinning (Erfurt): Akteure, Kommunikationsdefizite und Umsetzungsdilemmata zur Hitzeresilienz. Governancestrukturen der Klimaanpassung an Hitzebelastung am Beispiel der Großstädte Dresden und Erfurt

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 87KB]

Sektion Wissenschafts- und Technikforschung: The Great Digital Transformation. Die Digitalisierung im sozioökonomischen und historischen Kontext Inhalt einblenden
Sektion Wissenschafts- und Technikforschung

Organisator_innen: Ulrich Dolata (Stuttgart), Gregor Kungl (Stuttgart), Jan-Felix Schrape (Stuttgart)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Raum: SR 206

Zwei große Transformationsprozesse kennzeichnen die Entwicklung kapitalistischer Gesellschaften in den letzten Jahrzehnten: Zum einen ein tiefgreifender Wandel sozioökonomischer Strukturen in Richtung Privatisierung, Deregulierung und Liberalisierung. Und zum anderen die Digitalisierung, die bereits in den 1960er Jahren begann, sich mit der breiten Durchsetzung neuer Informations- und Kommunikationstechniken in den 1980er Jahren intensivierte und sich seither durch eine anhaltend hohe Innovationsdynamik mit disruptiven Effekten auszeichnet.

Vor diesem Hintergrund möchte diese Veranstaltung die längerfristigen strukturellen Veränderungen in den Blick nehmen, die durch die sozioökonomische Aneignung der Digitaltechnologien in den vergangenen Jahrzehnten angestoßen worden sind darunter beispielsweise die Entstehung neuer und den Wandel existierender Märkte, veränderte Wettbewerbsdynamiken in ökonomischen Kernsektoren, alternative Organisations- und Arbeitsformen, Zentralisierungs- und Dezentralisierungsdynamiken oder neue Muster datenbasierter Wertschöpfung sowie neue Bereiche der Kommodifizierung.

Im Zentrum der Veranstaltung stehen dementsprechend (1) die sozioökonomischen Struktureffekte des durch die Digitalisierung angestoßenen Wandels, (2) die historische Kontextualisierung und Einordnung aktueller Trends in langfristige soziotechnische Entwicklungsprozesse sowie (3) die Identifizierung der tatsächlich neuartigen Qualitäten gegenwärtiger Digitalisierungsphänomene sowie ihre soziologische Konzeptualisierung.

Beiträge:
  • Ulrich Dolata (Stuttgart): Einführung: Plattformen und Plattformökonomie – sozioökonomische und historische Kontextualisierungen
  • Felix Gnisa (Jena): Das Maschinensystem des 21. Jahrhunderts? Zur Subsumtion der Kommunikation durch digitale Plattformtechnologien
  • Svenja Hagenhoff (Erlangen-Nürnberg): Gegen die Diskussion mit den drei Unbekannten Daten, Algorithmen und Digitalisierung. Hier: ›Daten‹
  • Carsten Ochs (Kassel): Von der Informationskontrolle zur Unschärfegarantie: Informationelle Privatheit unter den Sichtbarkeitsbedingungen der ›Great Digital Transformation‹
  • Jan-Felix Schrape (Hohenheim): Technik und das Versprechen der Dezentralisierung – eine soziohistorische Kontextualisierung

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 87KB]

Sektion Wissenssoziologie: Apokalyptische Narrative. Endzeit- und Katastrophenwissen in Erzählungen gesellschaftlicher Zukünfte Inhalt einblenden
Sektion Wissenssoziologie

Organisator_innen: Gregor J. Betz (Dortmund), Saša Bosančić (Frankfurt am Main / Augsburg)

Uhrzeit: 10.30 – 13.00 Uhr // Ort: Großer Rosensaal, Fürstengraben 27, 07743 Jena

Apokalyptische Narrationen stellen seit jeher in sehr unterschiedlichen Kulturen eine spezifische, das Handeln in einer Gesellschaft mitprägende Form des Zukunftswissens dar. Auch gegenwärtig kursieren in den unterschiedlichsten Kontexten Endzeitszenarien und es werden Katastrophen unterschiedlicher Ausprägung prophezeit. Rechtspopulistische Bewegungen prognostizieren beispielsweise mit der „Islamisierung des Abendlandes“ das Ende der christlich-jüdisch geprägten Kultur, die Klimaforschung zeichnet Schreckensszenarien biblischen Ausmaßes und Diskurse um den demographischen Wandel oder die proklamierte Krise der Arbeitsgesellschaft im Zuge der Digitalisierung bilden Grundlagen für endzeitliche Szenarien.

Auch die Soziologie ist an der Produktion apokalyptischer Narrative beteiligt, wenn bspw. das Ende der Arbeit im Zuge von umfänglichen Transformationsprozessen angekündigt oder die Risikogesellschaft ausgerufen wird. Nicht zuletzt rekurriert die prognostische Analyse einer ‚Great Transformation‘, welche – wie es das Jenaer Themenpapier zur DGS-Regionalkonferenz formuliert – „insbesondere die frühindustrialisierten Länder“ durchlaufen würden, auf wissenschaftlich gestützte apokalyptische Narrationen.

In einer Panelveranstaltung der Sektion Wissenssoziologie laden wir dazu ein, sich mit wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Katastrophen- und Endzeitszenarien zu befassen, die mit „Great Transformations“ einhergehen.

Beiträge:
  • Gregor J. Betz (Dortmund), Saša Bosančić (Frankfurt am Main / Augsburg): Apokalyptische Zeiten: Zur Einleitung
  • Alexander-Kenneth Nagel (Göttingen): Gerüstet für den Untergang: Prepper als apokalyptische Szene?
  • Jan Schedler (Bochum): Narrative der Radikalisierung. Apokalyptische Szenarien im NSU-Komplex
  • Christine Unrau (Duisburg): Kairos und Telos: Apokalyptische Elemente in der Globalisierungskritik
  • Christian Hilgert (Konstanz): Die geteilte Umwelt? Zu den politischen
    Funktionen der ökologischen Apokalyptik
  • Detlef Pollack (Münster): Soziologie als apokalyptisches Katastrophenszenario: Hartmut Rosas resonanztheoretische Rekonstruktion der Moderne

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 89KB]

Sektion Umweltsoziologie: Von Wegen und Visionen – große und kleine Erzählungen einer ökologischen Zukunft Inhalt einblenden
Sektion Umweltsoziologie

Organisator_innen: Melanie Jaeger-Erben (Berlin), Stephan Lorenz (Jena)

Uhrzeit: 15.00 – 17.30 Uhr // Raum: SR 315

Der ökologische Diskurs speist sich oft aus Warnungen vor Risiken und drohenden Katastrophen einer zerstörten Natur. Frühe Beispiele bieten dafür Rachel Carsons „Der stumme Frühling“ oder auch „Die Grenzen des Wachstums“. Neuere Debatten über „planetare Grenzen“ einerseits oder „Degrowth“ andererseits setzen dies fort. Zustimmung für die Abwehr von Gefahren lässt sich meist leichter erzeugen, als für positive Ziele einer ökologischen Zukunft, v. a. wenn sie gewohnte Lebensweisen, Konsum- und Produktionssysteme grundlegend infrage stellen. Vor diesem Hintergrund widmet sich die Veranstaltung den ökotopischen Visionen und Entwürfen alternativer Entwicklungspfade, die – mal manifest, oft latent – ebenso im ökologischen Diskurs wirksam sind. Sie reichen von Varianten des „Zurück zur Natur“ bis zum ergrünten „Weiter so“ oder suchen – im Großen wie im Kleinen – nach diversen Alternativen. Visionäre Ideen zum guten Leben gehören ebenso dazu wie Strategien der ökologischen Modernisierung oder der nachhaltigen Entwicklung sowie zahlreiche alltagspraktische Entscheidungen, gemeinschaftliche Experimente oder kommunale Nachhaltigkeits-Projekte.

In der Veranstaltung wird es darum gehen, Wege und Visionen insbesondere in ihren Zusammenhängen zu reflektieren: Bezogen auf welche Problemdiagnosen lassen sich auf welchen Wegen die visionären Ziele erreichen – welche Ziele sind mit gegebenen Mitteln umzusetzen? Auf welche Weise soll es wohin gehen und wer soll das entscheiden?

Beiträge:
  • Jan-Felix Schrape (Stuttgart): Technik und die Vision von einem sozial wie ökologisch ausgeglichenen Postkapitalismus
  • Tilman Santarius (Berlin): Sanfte Digitalisierung. Leitprinzipien einer zukunftsfähigen digitalen Gesellschaft
  • Florian Hofmann (Berlin), Jakob Zwiers (Berlin): Circular Society als soziale Ökotopie
  • Karsten Gäbler (Jena): Dezentralisierung und Demokratisierung – Öko-anarchistische Visionen und die Idee der Kleinräumigkeit
  • Renata C. Motta (Berlin): Ernährungssouveränität als feministisches Thema
  • Katharina Block (Oldenburg): Storytelling im Anthropozän
  • Jens Jetzkowitz (Berlin): Leben im Einklang mit der Natur in James Camerons ›Avatar‹: Fallstudie einer kulturindustriell erzeugten Nachhaltigkeitsvision

Vortragsabstracts der Referent_innen [pdf 98KB]

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